Tag des Kanarischen Baumes: wir zeigen Ihnen einige einheimische Bäume von Fuerteventura. Die meisten davon sind in der Natur sehr selten.

Donnerstag, 30 November, 2017

Kürzlich, am letzten Sonntag im November, wurde auf den Kanarischen Inseln der Tag des Baumes gefeiert. Der Direktor unseres botanischen Gartens, Stephan Scholz, präsentiert uns mehrere einheimische Baumarten unserer Insel. Die meisten sind extrem selten und nur sehr schwer aufzufinden. Lassen Sie sich überraschen, was Stephan Scholz Ihnen über diese Bäume erzählt.

“An diesem wichtigen Tag wollen wir Ihnen in dieser Sektion nicht über die grosse Relevanz der Bäume für die Ökosysteme berichten, über ihre Unentbehrlichkeit für die Reinhaltung der Luft und die Produktion von Sauerstoff oder ihre Wichtigkeit als Lieferanten für Holz, Früchte und andere Nahrungsmittel. Dies alles ist gut bekannt und allgemein anerkannt. Wir werden auch die vielen angepflanzten Baumarten der Gärten und Felder von Fuerteventura nicht behandeln, die zusammen mit Sicherheit über 150 verschiedene Arten aus aller Welt sind.

Heute werden wir den Schwerpunkt auf die einheimischen Baumarten von Fuerteventura legen. Selbst wenn man grosse Sträucher mit einbezieht, sind es insgesamt nur sehr wenige Arten, die von Natur aus auf unserer Insel vorkommen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind alle sehr selten; von einigen Arten sind weniger als 5 Exemplare in der Natur bekannt! Allerdings ist keine dieser Baumarten ausschliesslich auf Fuerteventura zu finden, es gibt zum Glück auf anderen Inseln der Kanaren sowie manchmal auch ausserhalb unserer Inseln noch weitere Exemplare.

Sowohl die Verwaltung (Gemeinden und Cabildo von Fuerteventura) als auch der Botanische Garten von Fuerteventura Oasis Park arbeiten seit Jahren daran, das Aussterben dieser Bäume auf Fuerteventura zu verhindern. Es ist eine interessante und schöne, aber auch langwierige und schwierige Aufgabe. Es ist anstrengend und manchmal auch gefährlich, an die letzten an irgendwelchen schwer zugänglichen Felsen wachsenden Exemplare heranzukommen, oft haben sie keine Samen, die vegetative Vermehrung aus Stecklingen gelingt nur selten … aber einiges wurde schon erreicht, und die meisten dieser seltenen Bäume werden seit einigen Jahren in der Abteilung für einheimische Pflanzen des Botanischen Gartens des Oasis Park Fuerteventura kultiviert.

Heute werden wir drei dieser Bäume vorstellen. In den nächsten Wochen kommen andere dran, insgesamt ungefähr ein Dutzend Arten: 

Kanarische Tamariske (Tamarix canariensis)

Die Landbewohner von Fuerteventura mögen Tamarisken nicht, weil sie den Boden versalzen. Sie dürfen nicht zu nahe an bebauten Feldern stehen. Es stimmt, Tamarisken wachsen gerne dort, wo es salzhaltiges Grundwasser gibt. Das Salz, was sie mit dem Wasser aufnehmen, wird über die Blätter wieder ausgeschieden (Bild 1). Frühmorgens hängen kleine Salzwassertropfen an den Blättern, die herunterfallen. Das Salz wird so in den oberen Bodenschichten angereichert.

Wir müssen aber auch die positive Seite der Tamarisken sehen. Ihr Holz ist hart und dauerhaft und hat vielseitige Anwendungen. Man machte daraus Stiele für Werkzeuge, Hacken und Spaten, ausserdem Pflüge, Joche und Fensterstürze. Wenn man einen geraden Stamm fand, was eher selten ist, konnte man ihn als Tragbalken in Landhäusern und Scheunen verwenden. Ausserdem sind die Tamariskenwäldchen von Fuerteventura der bevorzugte Lebensraum für einige Vogelarten, darunter die Samtkopfgrasmücke und die Turteltaube, und viele Insektenarten leben auf Tamarisken.

Die kanarische Tamariske kommt nicht nur auf den Kanaren vor, sondern auch im westlichen Mittelmeergebiet. Sie wurde in verschiedenen Ländern eingeführt, darunter in die USA, wo sie in den Feuchtgebieten rund um den Golf von Mexiko eine invasive Art ist. Sie ist eine der wenigen einheimischen Baumarten von Fuerteventura, die nicht vom Aussterben bedroht ist, sondern hat in den letzten Jahrzehnten ihre Bestände vergrössert und zum Teil sogar neue Gebiete erobert, wie zum Beispiel die Umgebung des Stausees von La Peñita bei Vega de Río Palmas.

Bove-Tamariske (Tamarix boveana)

Vor einigen Jahren wurde ein einziges Exemplar dieser westmediterranen Art auf Fuerteventura gefunden. Wurde es etwa angepflanzt? Wohl kaum, denn es wächst weitab von bewohnten Gebieten. Tamarisken (Bild 2) haben sehr kleine Samen mit einem Haarkranz und können so weit vom Wind verbreitet werden. Ist vielleicht ein Samen der Bove-Tamariske aus Marokko herübergeflogen, wo die Art auch vorkommt? Gibt es eventuell an irgendeinem abgelegenen Ort auf Fuerteventura noch mehr Exemplare?

Wir können diese Fragen nicht beantworten, aber die Unterschiede zwischen der kanarischen Tamariske und der Bove-Tamariske zeigen: die Zweige und die sehr kurzen, schuppenförmigen Blätter sind bei beiden Arten ziemlich gleich, aber die Blütenstände nicht. Die Blütenstände der kanarischen Tamariske wachsen an den Spitzen der jungen Zweige des Jahres und sind verzweigt; die der anderen Art erscheinen am vorjährigen Holz und sind dicker und nicht verzweigt. Sie erinnern etwas an Weidenkätzchen. Ausserdem haben die Blüten der kan. Tamariske 5 weisse oder rosa Blütenblätter, während die Bove-Tamariske nur 4 blassrosa Blütenblätter besitzt. 

Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis)

Diese elegante Palme (Bild 3) kam ursprünglich nur auf dem kanarischen Archipel vor, wird aber seit langem in allen Mittelmeerländern, in Kalifornien, Florida, Südafrika, Australien und vielen anderen Ländern gepflanzt und ist somit eine Art pflanzliche Botschafterin der Kanaren in aller Welt. Natürlich wird sie auch viel auf unseren Inseln selbst gepflanzt, obwohl in den letzten Jahren durch eine Pilzkrankheit viele Exemplare abgestorben sind, gegen die besonders diejenigen anfällig sind, die mit geklärtem Abwasser bewässert werden. Wilde Exemplare werden dagegen kaum befallen.  

Die Früchte der kan. Dattelpalme sind klein; verglichen mit den grossen, schmackhaften Datteln der echten Dattelpalme haben sie kaum einen Wert und sind nur als Futter für Schweine und Ziegen geeignet. Die kan. Dattelpalme hat aber viele andere gute Eigenschaften, die vor allem auf der Insel Gomera genutzt werden. Der Stamm wurde als Tragbalken in Bauernhäusern verwendet; ausgehöhlt diente er als Bienenhaus. Aus den Blättern werden Hüte, Matten, Körbe, Untersetzer und viele andere Gegenstände geflochten. Das wichtigste Produkt ist aber der Palmenhonig. Er wird durch Einkochen des Saftes der Palme (auf Gomera “Guarapo” genannt) gewonnen. Der Saft tritt am Vegetationspunkt am oberen Ende des Stammes aus, nachdem zuvor ein grosser Teil der Blätter abgeschnitten wurde. Heute kann man den Palmenhonig in fast jedem Supermarkt auch auf den anderen Inseln kaufen. Er eignet sich hervorragend zum Süssen von Nachspeisen. Die “angezapften” Palmen sterben nicht ab, man muss aber den Saftfluss, der durch immer neues Herunterschneiden einer dünnen Schicht im Vegetationspunkt aufrechterhalten wird, nach einigen Monaten einstellen. Danach kann sich die Palme erholen und einige Jahre weiterwachsen, bis sie eventuell wieder zur Herstellung von Palmenhonig benutzt wird.”

Fanden Sie dies alles interessant? Verpassen Sie dann nicht die nächsten Artikel in dieser Sektion, in denen wir wieder Wissenswertes über einheimische Baumarten erzählen werden wie dem Balo, dem kanarischen wilden Ölbaum, der atlantischen Pistazie oder dem ostkanarischen Maytenus.

Wir vom Oasis Park Fuerteventura möchten daran erinnern, dass der Schutz der Bäume eine Aufgabe aller ist. Jeder kann dazu beitragen; man kann einige der vorgestellten Arten in Gärtnereien kaufen oder zum Tag des Baumes kostenlos vom Cabildo de Fuerteventura bekommen und dann im Garten auspflanzen, wenn Sie auf Fuerteventura einen besitzen.